Apostelgeschichte 7

68

Die Rede des Stephanus vor dem Hohen Rat

1Da sagte der Hohepriester: Verhält sich das so? 2Er aber sprach: Ihr Männer, Brüder und Väter, hört zu. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er (noch) in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte, 3und sprach zu ihm: Geh aus deinem Land und von deiner Verwandtschaft und komm in das Land, das ich dir zeigen werde. 4Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran. Und nachdem sein Vater gestorben war, brachte er ihn von dort herüber in dieses Land, in dem ihr jetzt wohnt, 5und gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fuß breit, und verhieß, es ihm zum Besitz zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er (noch) kein Kind hatte. 6Und Gott redete so: Deine Nachkommen werden in einem anderen Land Fremdlinge sein, und man wird sie vierhundert Jahre versklaven und misshandeln. 7Und die Nation, der sie als Sklaven dienen werden, will ich richten, sprach Gott, und danach werden sie ausziehen und mir an dieser Stätte als Priester dienen. 8Und er gab ihm den Bund der Beschneidung; und so zeugte er Isaak und beschnitt ihn am achten Tag; und Isaak zeugte Jakob und Jakob die zwölf Stammväter. 9Und die Stammväter wurden neidisch auf Joseph und verkauften ihn nach Ägypten; Gott aber war mit ihm 10und rettete ihn aus aller seiner Bedrängnis und gab ihm Gunst und Weisheit vor dem Pharao, dem König von Ägypten; und er setzte ihn zum Regenten über Ägypten und über sein ganzes Haus ein. 11Es kam aber eine Hungersnot über das ganze Land Ägypten und Kanaan und eine große Bedrängnis, und unsere Väter fanden keine Nahrung. 12Als aber Jakob hörte, dass es in Ägypten Getreide gebe, sandte er unsere Väter zum ersten Mal aus. 13Und beim zweiten Mal gab sich Joseph seinen Brüdern zu erkennen und die Herkunft Josephs wurde dem Pharao bekannt. 14Joseph aber sandte aus und ließ seinen Vater Jakob und seine ganze Verwandtschaft holen, fünfundsiebzig Seelen. 15Und Jakob zog hinab nach Ägypten; und er starb, er und unsere Väter, 16und sie wurden herübergebracht nach Sichem und in das Grab gelegt, das Abraham für Geld von den Söhnen Hemors in Sichem gekauft hatte. 17Als sich aber die Zeit der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten, 18bis ein anderer König über Ägypten aufkam, der nichts von Joseph wusste. 19Dieser handelte mit List gegen unser Volk und misshandelte unsere Väter, so dass sie ihre Kinder aussetzen mussten, damit sie nicht am Leben blieben. 20Zu der Zeit wurde Mose geboren und war schön (vor) Gott; und er wurde drei Monate in seines Vaters Haus ernährt. 21Als er aber ausgesetzt wurde, nahm ihn die Tochter des Pharao auf und erzog ihn als ihren eigenen Sohn. 22Und Mose wurde in aller Weisheit der Ägypter geschult und war mächtig in Worten und Taten. 23Als er aber vierzig Jahre alt war, kam es in sein Herz, nach seinen Brüdern zu sehen, den Söhnen Israels. 24Und da er einen Unrecht leiden sah, stand er ihm bei und rächte den Unterdrückten, indem er den Ägypter erschlug. 25Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; aber sie verstanden es nicht. 26Und am folgenden Tage kam er zu ihnen, als sie sich stritten, und (wollte) sie versöhnen zum Frieden, indem er sagte: Ihr Männer, ihr seid (doch) Brüder; warum tut ihr einander Unrecht? 27Der aber, der seinem Nächsten Unrecht tat, stieß ihn weg und sagte: Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gesetzt? 28Willst du mich (auch) töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast? 29Und Mose floh auf dieses Wort hin und wurde ein Fremdling im Land Midian, wo er zwei Söhne zeugte. 30Als aber vierzig Jahre erfüllt waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel in der Feuerflamme eines Dornbusches. 31Und als Mose es sah, wunderte er sich über die Erscheinung. Während er aber heranging, um es näher zu betrachten, erging die Stimme des Herrn: 32Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Mose aber fing an zu zittern und wagte nicht hinzuschauen. 33Und der Herr sprach zu ihm: Löse die Sandalen von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land! 34Ich habe die Misshandlung meines Volkes in Ägypten wohl gesehen und habe ihr Seufzen gehört, und ich bin herabgekommen, sie zu retten. Und nun komm her, ich will dich nach Ägypten senden. 35Diesen Mose, den sie verleugneten, als sie sagten: Wer hat dich zum Obersten und Richter gesetzt? – den hat Gott als einen Obersten und Retter gesandt durch die Hand des Engels, der ihm in dem Dornbusch erschien. 36Dieser führte sie heraus, indem er Wunder und Zeichen tat im Land Ägypten, im Roten Meer und in der Wüste vierzig Jahre. 37Dies ist der Mose, der zu den Söhnen Israel gesagt hat: Einen Propheten wie mich wird euch Gott aus euren Brüdern erwecken. 38Dieser ist es, der in der Versammlung in der Wüste war mit dem Engel, der auf dem Berg Sinai mit ihm und unseren Vätern redete; und er empfing lebendige Worte, um sie euch zu geben. 39Ihm wollten unsere Väter nicht gehorsam werden, sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihren Herzen nach Ägypten zurück 40und sagten zu Aaron: Mache uns Götter, die vor uns hergehen sollen; denn dieser Mose, der uns aus dem Land Ägypten geführt hat – wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist. 41Und sie machten in jenen Tagen ein Kalb und brachten dem Götzen ein Opfer und freuten sich über die Werke ihrer Hände. 42Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, dass sie das Heer des Himmels anbeteten, wie es im Buch der Propheten geschrieben steht: Habt ihr denn mir Schlachttiere und Opfer dargebracht vierzig Jahre in der Wüste, o Haus Israel? 43Und ihr habt das Zelt Molochs und den Stern eures Gottes Räfan mitgenommen, die Bilder, die ihr gemacht hattet, um sie anzubeten. Und ich will euch wegführen bis jenseits von Babylon. 44Unsere Väter hatten die Wohnung des Zeugnisses in der Wüste, wie es der befohlen hatte, der zu Mose redete, dass er sie nach dem Muster machen sollte, das er gesehen hatte; 45diese übernahmen unsere Väter und brachten sie auch mit Josua in (das Land) hinein, als sie (es) von den Nationen in Besitz nahmen, die Gott vor dem Angesicht unserer Väter ausstieß bis zur Zeit Davids. 46Der fand Gunst vor Gott und bat, er möge eine Wohnung für den Gott Jakobs finden. 47Doch Salomo baute ihm ein Haus. 48Aber der Allerhöchste wohnt nicht in (Häusern), die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: 49Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder welches ist die Stätte meiner Ruhe? 50Hat nicht meine Hand dies alles gemacht? 51Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widersteht fortwährend dem Heiligen Geist, wie eure Väter, (so) auch ihr! 52Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, die das Kommen des Gerechten zuvor verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, 53die ihr das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und doch nicht gehalten habt.

Stephanus wird zum ersten Märtyrer

54Als sie nun dies hörten, schnitt es ihnen ins Herz, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 55Er aber, voll des Heiligen Geistes, schaute zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen. 56Und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen. 57Sie aber schrien mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn los. 58Und nachdem sie ihn zur Stadt hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn; und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. 59Und sie steinigten Stephanus, während er (den Herrn) anrief und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! 60Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt hatte, entschlief er.