Lukas 10

911

Aussendung der siebzig Jünger

1Danach aber ernannte der Herr andere siebzig und sandte sie je zwei und zwei vor seinem Angesicht her, in alle Städte und Orte, wo er selbst hinkommen wollte. 2Und er sprach zu ihnen: Die Ernte zwar ist groß, aber die Arbeiter sind wenige; bittet darum den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte hinaussendet. 3Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. 4Tragt keine Börse, keine Tasche, keine Sandalen; und grüßt niemand auf dem Weg. 5Wo ihr aber in ein Haus kommt, sagt zuerst: Friede diesem Haus! 6Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird er auf ihm ruhen, wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren. 7Und bleibt in demselben Haus und esst und trinkt, was man euch anbietet; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in das andere. 8Und wo ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, (da) esst, was euch vorgesetzt wird, 9und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. 10Wo ihr aber in eine Stadt kommt und sie euch nicht aufnehmen, (da) geht auf ihre Straßen hinaus und sprecht: 11Auch den Staub an unseren Füßen, der von eurer Stadt an uns hängt, schütteln wir ab auf euch; dies jedoch wisst: Das Reich Gottes ist nahe gekommen. 12Ich sage euch, dass es Sodom erträglicher gehen wird an jenem Tag als jener Stadt.

Weherufe über galiläische Städte

13Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wären solche Machttaten in Tyrus und Sidon geschehen, die bei euch geschehen sind, hätten sie längst in Sack und Asche gesessen und Buße getan. 14Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen im Gericht als euch. 15Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst in den Hades hinabgestoßen. 16Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verwirft, der verwirft mich; und wer mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat.

Rückkehr der siebzig Jünger – Jesu Jubelruf

17Und die Siebzig kehrten mit Freuden zurück und sagten: Herr, selbst die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. 18Und er sprach zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. 19Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und (Vollmacht) über alle Kraft des Feindes; und nichts wird euch irgendwie schaden. 20Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln geschrieben sind. 21Zu der Stunde jubelte Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 22Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 23Und zu den Jüngern allein gewandt, sprach er: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. 24Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten schauen, was ihr seht, und haben es nicht geschaut, und hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört!

Die Frage nach dem Nächsten – der barmherzige Samariter

25Und siehe, da stand ein Gesetzesgelehrter auf, stellte ihn auf die Probe und sagte: Lehrer, was soll ich tun, dass ich ewiges Leben erbe? 26Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? 27Und er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. 28Und er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben. 29Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30Jesus griff (die Frage) auf und sprach: Ein Mensch ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn auch und gingen davon und ließen ihn halbtot (liegen). 31Zufällig aber ging ein Priester diese Straße hinab; und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber. 32Ebenso auch ein Levit; als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber. 33Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin, und als er ihn sah, wurde er von Mitleid erfasst, 34ging zu ihm, verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf. Und er hob ihn auf sein eigenes Tier und brachte ihn zu einer Herberge und trug Sorge für ihn. 35Und am nächsten Morgen holte er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und sprach zu ihm: Sorge für ihn; und was du mehr aufwenden wirst, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36Welcher von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste für den geworden, der unter die Räuber gefallen war? 37Er sagte: Der ihm die Barmherzigkeit erwiesen hat. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin und tue ebenso.

Martha und Maria

38Als sie nun weiterzogen, kam er in ein Dorf; und eine Frau mit Namen Martha nahm ihn in ihr Haus auf. 39Und sie hatte eine Schwester, genannt Maria, die saß auch zu den Füßen des Herrn und hörte seinem Wort zu. 40Martha aber war abgelenkt durch vieles Dienen; und sie trat hin und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mir das Dienen allein überlassen hat? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast Sorge und Unruhe um viele Dinge; 42eines aber tut Not; Maria nämlich hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.