Lukas 6

57

Jesus, der Herr über den Sabbat

1Und es geschah, dass er an einem Sabbat durch die Saatfelder ging; und seine Jünger brachen Ähren ab, rieben sie mit den Händen und aßen. 2Und einige der Pharisäer sagten: Warum tut ihr, was man am Sabbat nicht tun darf? 3Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht einmal das gelesen, was David tat, als er hungrig war, er und die mit ihm waren? 4Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die mit ihm waren – die doch niemand essen durfte als die Priester allein? 5Und er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist der Herr über den Sabbat. 6Und es geschah an einem anderen Sabbat, dass er in die Synagoge ging und lehrte; und es war dort ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. 7Und die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Sache gegen ihn fänden. 8Er aber wusste ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stelle dich in die Mitte! Und er stand auf und stellte sich hin. 9Und Jesus sprach zu ihnen: Ich frage euch, ist es recht, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu verderben? 10Und er sah sie alle an ringsumher und sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat es, und seine Hand wurde wiederhergestellt. 11Sie aber wurden voll unsinniger Wut und besprachen sich miteinander, was sie Jesus tun könnten.

Jesus erwählt die zwölf Apostel

12Und es geschah in jenen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er blieb die ganze Nacht im Gebet zu Gott. 13Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich; und er erwählte zwölf aus ihnen, welche er auch Apostel nannte: 14Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, 15Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt Zelotes, 16und Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Ischarioth, der zum Verräter wurde. 17Und als er mit ihnen hinabgestiegen war, trat er auf ein ebenes Feld; und (da war) eine große Menge seiner Jünger und eine große Volksmasse aus ganz Judäa und Jerusalem und vom Küstenland um Tyrus und Sidon, die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; 18und die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. 19Und alles Volk suchte ihn anzurühren, denn es ging Kraft von ihm aus und heilte alle.

Das Wesen des Volkes des Himmelreiches

20Und er hob seine Augen auf zu seinen Jüngern und sprach: Selig (sind) die Armen, denn euer ist das Reich Gottes. 21Selig (sind), die jetzt hungern, denn ihr werdet satt werden. Selig (sind), die jetzt weinen, denn ihr werdet lachen. 22Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schelten und euren Namen verwerfen als einen bösen um des Menschensohnes willen. 23Freut euch an jenem Tag und springt, denn siehe, eure Belohnung ist groß im Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.

Weherufe

24Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost (schon) empfangen. 25Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. 26Wehe euch, wenn jedermann gut von euch redet, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten.

Über die Feindesliebe

27Aber euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, 28segnet, die euch fluchen, betet für die, die euch beleidigen. 29Wer dich auf die Backe schlägt, dem biete auch die andere dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre auch das Hemd nicht. 30Gib jedem, der dich bittet; und wer dir das deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, so tut ihr ihnen auch. 32Und wenn ihr liebt, die euch lieben, was für Dank habt ihr (davon)? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. 33Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für Dank habt ihr (davon)? Auch die Sünder tun dasselbe. 34Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr zu nehmen hofft, was für Dank habt ihr (davon)? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie Gleiches wiederbekommen. 35Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas (dafür) zu erhoffen; so wird eure Belohnung groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist freundlich zu den Undankbaren und Bösen.

Über das Richten

36Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. 37Und richtet nicht, so werdet auch ihr gewiss nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, so werdet ihr gewiss nicht verurteilt werden; lasst frei, so werdet ihr freigelassen werden. 38Gebt, und es wird euch gegeben; ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. 39Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann ein Blinder einen Blinden leiten? Werden sie nicht beide in eine Grube fallen? 40Ein Jünger ist nicht über seinen Lehrer; jeder aber, der vollendet ist, wird wie sein Lehrer sein. 41Und warum schaust du auf den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge nimmst du nicht wahr? 42Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, Bruder, dass ich den Splitter aus deinem Auge ziehe, und du selbst siehst den Balken in deinem Auge nicht? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen. 43Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und auch keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt. 44Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn man liest nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von einem Dornbusch. 45Der gute Mensch bringt das Gute hervor aus dem guten Schatz seines Herzens, und der böse Mensch bringt das Böse hervor aus dem Bösen; denn aus der Fülle (seines) Herzens redet sein Mund.

Das Haus auf Fels bauen

46Warum nennt ihr mich denn Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage? 47Wer zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut – ich will euch zeigen, wem er gleich ist. 48Er ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute und grub und in die Tiefe ging und das Fundament auf den Fels legte. Und als eine Flut kam, riss der Strom an dem Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war gut gebaut. 49Wer aber hört und nicht tut, ist gleich einem Menschen, der ein Haus ohne Fundament auf die Erde baute; und der Strom riss an ihm und es fiel sofort ein; und der Einsturz jenes Hauses war groß.