Article · October 1, 2026
Der neue Bund: Wir sollen den Herrn alle kennen

Hebräer 1 sagt: Gott redet heute zu uns durch seinen Sohn. Und der Geist wohnt in euch. Nach Johannes 14 wird die Salbung uns über alle Dinge lehren. Warum verlassen wir uns dann nur auf das Sprechen von Menschen? Das ganze Christentum vertraut auf das Sprechen von Pastoren. Wo bleibt das Sprechen des Herrn in uns? Der Hohepriester lebt in uns und will uns alles lehren. Der Geist wird uns auch das Zukünftige zeigen, denn wer außer ihm weiß, was morgen geschieht? Wir haben nur noch kurze Zeit, und gerade heute brauchen wir seine Anleitung. Wir wollen keine Schriftgelehrten und Pharisäer sein, keine Ältesten und Priester wie zur Zeit Jesu. Sie kannten alle die Schrift, aber sie kamen nicht zum Herrn, um das Leben zu haben.
Eine Person kennen, nicht nur ein Buch
Wir sind keine Theologen, wir wollen Christus kennen. Paulus sagt: Ich möchte ihn erkennen. Ein Beispiel: Kennst du Adenauer? Du hast über ihn gelesen, ja. Aber kennst du ihn? Von Büchern kennst du ihn, seine Person aber nicht. Und wie kenne ich dich? Hast du schon eine Biografie geschrieben? Noch nicht? Wie sollte ich dich dann aus einem Buch kennenlernen? Eine lebendige Person lernt man nur kennen, indem man sie sieht und mit ihr redet. Wir haben uns in Toronto gesehen, und so kennen wir uns. Genauso ist es bei Jesus. Es gibt das Kinderlied: „Jesus liebt mich, ich weiß, weil die Bibel mir's sagt.“ Aber kennst du die Liebe Jesu nur, weil die Bibel es sagt? Es ist etwas anderes, den Präsidenten nur aus den Nachrichten zu kennen, als zu ihm ins Weiße Haus eingeladen zu werden.
Versteht mich nicht falsch: Natürlich brauchen wir die Bibel. Aber nur die Bibel zu haben und nicht zu ihm zu kommen, bringt kein Leben. Vergesst nie, was der Herr in Johannes 5 sagte: Ihr forscht in der Schrift, und die Schrift redet von mir, aber ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr das Leben hättet. Das Leben kommt nicht aus der Bibel. Die Bibel ist nur ein Buch. Darin liegt der Unterschied zwischen den jungen Fischern und den Schriftgelehrten in Jerusalem: Die Fischer kannten die Bibel nicht, aber sie kannten Jesus. Die Schriftgelehrten kannten die Bibel sehr gut und kannten Jesus nicht. Vielleicht kann man irgendwann fast jeden Vers auswendig. Das heißt noch längst nicht, dass wir ihn kennen. Sein Wesen ist das des heiligen Hohenpriesters, und das müssen wir von ihm selbst kennenlernen. Dafür brauchen wir sein Wort, aber vor allem viel Umgang mit ihm, Zeit und Gemeinschaft mit ihm, sein tägliches Sprechen durch ihn selbst, der in uns wohnt.
Der neue Bund: „Sie sollen mich alle kennen“
Für viele bedeutet der neue Bund nur: Wir werden aus Gnade gerettet, nicht mehr durch Werke und Gesetz. Aber der neue Bund ist viel mehr. Den Herrn zu kennen hat kein Ende, es ist unausforschlich. Der neue Bund bedeutet nicht nur, dass wir eine Bibel zum Lesen haben, sondern dass wir ihn kennenlernen:
Und keinesfalls wird jemand seinen Mitbürger lehren noch jemand seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinen an bis zum Großen unter ihnen. (Hebräer 8:11)
Das ist unser Vorrecht, das wir nutzen müssen. Deshalb trinken wir den Kelch des neuen Bundes jede Woche, nicht als Ritual, sondern weil wir den Herrn kennen wollen. Und es gibt jede Woche so viele wunderbare Aspekte von ihm zu entdecken. Wir kennen einander ja auch nicht, weil wir Bücher übereinander gelesen haben, sondern weil wir uns jede Woche sehen und viel Zeit miteinander verbringen. So müssen wir es auch mit ihm machen. Ein Kapitel pro Tag reicht nicht, den Herrn lebendig zu erkennen. Besonders den Hohenpriester kann man nicht kennen, wenn man nicht dorthin vordringt, wo er dient, ins Heiligtum. Das ist eine ganz andere Ebene als das, was man heute oft versteht.
Bete: „Herr, ich will dich kennen, so wie du bist: deine Heiligkeit, deine Gerechtigkeit, dein Friede, deine Liebe, auch deine Warnung und dein Gericht.“ Das steht alles geschrieben, aber ich muss es in der Erfahrung kennenlernen. Auch 2. Korinther 3 sagt, dass wir Diener eines neuen Bundes sind, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Selbst wenn wir die Bibel lesen, soll das Wort lebendig werden und in unser Leben hineinsprechen, nicht nur als Buchstabe dastehen. Im alten Bund haben nur einzelne den Herrn gekannt, die meisten nichts von ihm erkannt. Das Volk kam zu Mose, damit er jeden Rechtsstreit löste. Im neuen Bund aber sollen alle ihn kennen, und doch nutzen wir die Gelegenheit nicht. Wir verschwenden die Zeit mit anderen Dingen, in denen wir uns auskennen, aber ihn kennenzulernen vernachlässigen wir.
Im Christentum meint man oft, nur die Pastoren kennten ihn, weil sie die Bibel kennen. Man setzt Bibelkenntnis mit Christuskenntnis gleich: Ich kann Griechisch und Hebräisch, ich habe Theologie studiert, also kenne ich ihn. Dann müssen alle anderen warten und von ihnen abhängig bleiben. Das ist das Gegenteil des neuen Bundes. Und doch steckt es in uns: Wir kommen zur Versammlung und wollen empfangen, wir warten, bis jemand etwas sagt. Ja, wir brauchen Gemeinschaft, aber wo bleibt das eigene Nachjagen: „Ich will ihn kennen“? Mose sagte in 4. Mose 11: „Ach, dass doch das ganze Volk des Herrn Propheten wären.“ Möge wir alle, alle vom Volk Gottes, den Herrn in einer lebendigen Weise kennen!