Article · August 31, 2026
Nicht Erkenntnis hält uns zusammen, sondern Liebe
Dies ist eine Zusammenfassung der vorletzten Versammlung der Sommerkonferenz am 8. August 2026.

Erkenntnis bläht auf – die Liebe baut auf
Das Wort ist so klar, wir brauchen nicht viel Erklärung. Ich glaube, je mehr wir erklären, desto unklarer wird das Wort für uns. Keine eigene Auslegung, keine eigene Erklärung. Ich denke oft an das, was Jakobus gesagt hat: Sei nicht nur Hörer des Wortes, sondern Täter — und sei nicht ein Lehrer. Im ganzen Christentum geht es nur um Lehre, Theologie und Wissen. Als Jesus auf der Erde war, waren fast alle Schriftgelehrte, Pharisäer, Älteste — und gerade sie waren das größte Problem zur Zeit Jesu.
Wir haben die Bibel alle so oft gelesen. Aber es geht nicht um das Wissen. Paulus warnt uns:
Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf. (1.Korinther 8:1)
Ich möchte uns fragen: Was erfahren die Heiligen mehr von uns — Liebe oder Erkenntnis? Was brauchen die Heiligen in Europa: die Liebe des Herrn oder die Erkenntnis der Bibel? Nur die Liebe baut auf. Der Leib baut sich nicht durch Erkenntnis auf, sondern durch die Liebe — und nicht einmal durch unsere eigene Liebe, sondern durch die Liebe Christi, die erste, die beste Liebe. Weil er uns geliebt hat, hat er sich selbst für uns hingegeben. Keine größere Liebe gibt es, als dass einer sein Leben hingibt für die Brüder.
Wie viel Liebe haben die Heiligen in allen Gemeinden von uns erfahren? Ich muss mich selbst fragen. Was die Gemeinde am Ende des Zeitalters braucht, ist die Liebe für alle Heiligen. Darum ist Philadelphia die wunderbarste der sieben Gemeinden. Und was war das Problem in Ephesus? Sie hatten viel Erkenntnis, viele gute Werke — aber der Herr sagte: Ich habe etwas gegen dich, du hast die erste Liebe verlassen. Wenn wir so viel Erkenntnis haben, handeln wir in der Gemeinde nach unserer Erkenntnis: Sobald jemand etwas falsch macht, schimpfen wir, reagieren wir, kritisieren wir. Aber wie oft hat der Herr uns vergeben? Haben wir in den letzten Jahren Mangel an Erkenntnis gehabt? Nein. Warum hatten wir dann so viele Probleme? Es ist die Liebe, die uns zusammenhält. Ohne die Liebe Gottes fällt alles früher oder später auseinander.
Alles, was er getan hat, ist aus Liebe für uns
Leben kommt nicht aus dem Bibellesen. Johannes 5: Ihr forscht in der Schrift — wir sind alle Bibelforscher, kleine Theologen. Sicher, sagt der Herr, die Schrift redet von mir; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr das Leben hättet. Und der wunderbarste Ausdruck dieses Lebens ist die Liebe. Fehlt dieses Element, funktioniert nichts in der Gemeinde.
Johannes 3:16 kennt jeder. Wie fängt der Vers an? Wir haben oft nur den zweiten Teil betont — dass alle, die glauben, das ewige Leben haben. Aber wir haben den ersten Teil vergessen: Denn also hat Gott die Welt geliebt. Alles, was Gott getan hat, tat er, weil er die Welt geliebt hat. Darum hat er dem Menschen 6000 Jahre Zeit gegeben und nicht gleich im Garten Eden das Gericht vollstreckt. Der Anfang im Neuen Bund ist nicht der Hohepriester, sondern das Lamm Gottes, das den Preis bezahlt hat.
Und der Herr sitzt heute nicht für sich allein auf dem Thron. Nicht nur die Kreuzigung ist für uns, auch die Auferstehung, die Himmelfahrt, ja sein Sitzen auf dem Thron — alles ist für uns. Er will nicht allein herrschen; er will uns zu Königen machen, dass wir mit ihm herrschen. Alles, was er getan hat, ist für uns. Wie ist es dann mit unserer Haltung? Auch wir müssen alles aus Liebe für die Heiligen tun, sonst funktioniert es nicht. Paulus zeigte den Korinthern bei all ihren Problemen den besten Weg: die Liebe. Die Liebe erträgt alles. Aber wir ertragen nichts: Sobald jemand etwas tut, was uns nicht passt, wird er hinausgeworfen, oder wir gehen weg. Wirfst du dein Kind aus dem Haus, wenn es etwas Falsches getan hat? Nein. Warum verhalten wir uns so im Hause des Herrn — wo wir doch gar nicht der Vater sind, sondern selbst nur Kinder Gottes?
Der Hohepriester, der immerdar für uns eintritt
Was macht der Herr, seit er aufgefahren ist? Genießt er droben ein Konzert der Engel? Nein — Hebräer 7 sagt: Er tritt allezeit für uns ein. Wenn ich etwas getan habe, was dem Vater nicht gefällt, sagt er nicht: Vater, wirf ihn hinaus. Er steht für uns ein, für jeden von uns, zu jeder Zeit. Wie oft aber stehen wir für die Heiligen ein und beten für sie? Wir wollen nur erziehen wie ein Lehrer, und wer die Prüfung nicht besteht, fliegt hinaus. Was die Heiligen brauchen, ist nicht Erziehung durch Lehre, sondern viel Gebet und Einstehen vor dem Vater.
Selbst seine Züchtigung ist aus Liebe — wen der Herr liebt, den züchtigt er. Wir aber züchtigen aus Ungeduld und Bosheit. Er heißt Melchisedek: König der Gerechtigkeit und König des Friedens. Gerechtigkeit ist für den Frieden. Sein Ziel ist, uns bis zum Äußersten zu retten. Rettung ist nur der Anfang — wie die Geburt. Darum heißt es wiedergeboren: die Geburt ist nur der Anfang, danach kommt alle Arbeit der Erziehung. Meinst du, der Herr habe heute nichts mehr zu tun und genieße nur den Thron? Er hat mehr zu tun als in seinem Leben auf der Erde. Er ist nicht mehr nur der Eingeborene, er ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern geworden — und viele Söhne bedeuten vielfache Probleme.
Das Universum konnte er durch das Wort seiner Macht zusammenhalten; das war kein Problem. Aber seine Gemeinde zusammenzuhalten, ist schwer. Wir hören nicht auf ihn. Die ganze Schöpfung hört auf ihn — nur wir nicht. Zum Glück ist er geduldig. Doch seine Geduld ist nicht ewig: Noch einmal, sagt er mit Haggai, werde ich Himmel und Erde erschüttern, damit nur das Unerschütterliche bleibt. Darum lasst uns Gott wohlgefällig dienen, mit Ehrfurcht — nicht nur sonntags ein paar Lieder singen. Er zwingt niemanden, wie er Adam und Eva nicht zwang, vom Baum des Lebens zu essen. Er zeigt uns, was fehlt, und sagt: Tue Buße. Behandelt die Heiligen nicht wie ein Haustier, sondern wie eure eigenen Kinder — denn sie sind die Kinder Gottes. Herr, öffne unseren Verstand, gib uns einen Geist der Weisheit und Offenbarung, dass wir dich als unseren Hohenpriester nach der Ordnung Melchisedeks erfahren.