Jesaja 5

46

Das Lied vom Weinberg Gottes

1Singen will ich meinem Geliebten ein Lied über seinen Weinberg: Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel. 2Und er grub ihn um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Mitten darin baute er einen Turm und hieb auch eine Kelter darin aus; und er erwartete sehnlich, dass er (gute) Trauben bringe. Aber er trug schlechtea. 3Nun, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer von Juda, sprecht Recht zwischen mir und meinem Weinberg! 4Was konnte man an meinem Weinberg noch weiter tun, das ich nicht getan habe? Warum erwartete ich sehnlich, dass er (gute) Trauben brächte, aber er trug nur schlechte? 5Nun will ich euch aber verkünden, was ich mit meinem Weinberg tun will: Ich will seinen Zaun wegschaffen, damit er abgefressen wird, und die Mauer einreißen, damit er zertreten wird! 6Ich will ihm den Garaus machen, daß er weder beschnitten noch gehackt werden soll, und es sollen Dornen und Disteln darauf wachsen. Ich will auch den Wolken verbieten, auf ihn zu regnen. 7Denn das Haus Israel ist der Weinberg des HERRN der Heerscharen, und die Männer von Juda sind seine Lieblingspflanzung. Und er erwartete Rechtsspruch, und siehe da – blutiger Rechtsbruch; Gerechtigkeit, und siehe da – Geschrei (über Schlechtigkeit). 8Wehe euch, die ihr ein Haus ans andere reihet, einen Acker zum andern schlaget, bis kein Platz mehr bleibt und ihr allein im Lande wohnet! 9Vor meinen Ohren spricht der HERR der Heerscharen: Fürwahr, viele Häuser sollen öde werden, große und schöne unbewohnt! 10Denn zehn Joch Weinberge werden (nur) ein Bat geben und ein Homer Samen (nur) ein Epha erzielen. 11Wehe denen, die sich früh am Morgen aufmachen, um starken Getränken nachzujagen, und die am Abend lange aufbleiben, bis sie der Wein erhitzt! 12Zither und Harfe, Pauke, Flöte und Wein gehören zu ihrem Gelage – aber auf das Werk des HERRN schauen sie nicht, und das Tun seiner Hände sehen sie nicht! 13Darum wandert mein Volk in die Gefangenschaft aus Mangel an Erkenntnis; seine Edlen leiden Hunger, und seine Volksmenge vertrocknet vor Durst. 14Darum verlangt auch das Totenreich große Opfer und hat seinen Rachen über die Maßen weit aufgesperrt, und es fährt hinunter ihr Adel und ihre Menge samt all ihrem Getümmel und wer in ihr frohlockt! 15Also wird der Mensch gebeugt und der Mann gedemütigt, und die Augen der Hochmütigen sollen erniedrigt werden; 16aber der HERR der Heerscharen wird hoch erhaben sein im Gericht, und Gott, der Heilige, wird sich als heilig erweisen in Gerechtigkeit. 17Und es werden Lämmer auf ihrer Trift weiden und Fremde die Trümmer der Reichen verzehren.

Gottes Gericht (Fortsetzung von Kapitel 3)

18Wehe denen, welche ihre Schuld an Lügenstricken hinter sich herschleppen und Sünde an Wagenseilen! 19Die da sagen: Er beschleunige doch und befördere sein Tun, daß wir es sehen; es komme doch und trete ein, was der Heilige Israels beschlossen hat, daß wir es merken! 20Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen; die Finsternis für Licht und Licht für Finsternis erklären; die Bitteres süß und Süßes bitter nennen! 21Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst verständig dünken! 22Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfer im Mischen von starkem Getränk; 23die dem Gottlosen Recht geben um eines Bestechungsgeschenkes willen, aber dem Gerechten seine Gerechtigkeit absprechen! 24Darum, wie die Feuerzunge Stoppeln frißt und dürres Gras in der Flamme zusammensinkt, also wird ihre Wurzel sein wie Moder und ihre Blüte wie Staub auffliegen; denn sie haben das Gesetz des HERRN der Heerscharen verschmäht und die Rede des Heiligen Israels verachtet. 25Darum ist auch der Zorn des HERRN gegen sein Volk entbrannt, und er hat seine Hand gegen sie ausgestreckt und hat sie geschlagen, dass die Berge erbebten und ihre Leichname wie Kot auf den Straßen lagen. – Bei alledem hat sich sein Zorn nicht abgewandt; seine Hand bleibt ausgestreckt. 26Und er wird für die Nationen in der Ferne ein Feldzeichen aufrichten und (ein Volk) vom Ende der Erde herbeipfeifen; und siehe, es wird schnell und eilends kommen. 27unter ihnen ist kein Müder und kein Strauchelnder, keiner schlummert und keiner schläft; keinem geht der Gurt seiner Lenden auf, keinem zerreißt ein Riemen seiner Schuhe. 28Ihre Pfeile sind geschärft und alle ihre Bogen gespannt. Die Hufe ihrer Rosse sind wie Kieselsteine anzusehen und ihre Wagenräder wie ein Sturmwind. 29Sie geben ein Gebrüll von sich wie eine Löwin, sie brüllen wie die Junglöwen; sie knurren und packen die Beute und bringen sie in Sicherheit, und kein Retter ist da. 30Und an jenem Tag werden sie über ihnen brausen wie Meeresbrausen. Schaut man aber auf das Land, siehe, (da ist nur) Finsternis und Drangsal; auch das Licht wird durch sein Gewölk verdunkelt.

Footnotes

  • a5,2auch: stinkende, giftige